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MÄR
  Im Dialog: Do. 23.03.2017 - 20:00 UHR
  Christina Nöbauer - Opfer der Zeit
kultur:treff im Haus der Musik EINTRITT: Frei
Christina Nöbauer - Opfer der Zeit Bild 1 Teilen:  
IM DIALOG: Christina Nöbauer „Opfer der Zeit“ - Über das Schicksal ehemaliger BewohnerInnen der Caritas-Anstalt St. Anton (bei Bruck) in der Zeit des Nationalsozialismus (Studien Verlag)

Einführung durch den Historiker Johannes Hofinger

Moderation: Annemarie Zierlinger

Gemeinschaftsveranstaltung mit der Geschichtswerkstatt St. Johann
 
Im Zuge der nationalsozialistischen "Gesundheitspolitik" wurden Hunderttausende Menschen Opfer von Zwangssterilisation und gezielter Tötung. Auch BewohnerInnen der Caritas-Anstalt St. Anton im Salzburger Pinzgau waren von dieser grausamen Politik betroffen.
Foto © Foto Faistauer, Zell am See
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Christina Nöbauer - Opfer der Zeit Bild 2
Die Recherchen zum Buch begannen Ende der 1980er, Anfang der 1990er und dauerten bis Anfang 2016; die Erstauflage kam im August 2016 auf den Buchmarkt.
Es könnte auch den Untertitel "vom vielen und langen Warten" tragen.

Die Autorin Christina Nöbauer lebt und arbeitet in Zell am See, war vor der Pensionierung u.a. Sozialarbeiterin im Jugendamt Zell am See und dort verantwortlich für das Caritas Dorf St. Anton; später auch in der Erwachsenenbildung der regionalen Kultur- und Bildungsarbeit im Pinzgau tätig.

Als solche war Frau Nöbauer auch Mitarbeiterin in der Recherchephase zur "Euthanasie Ausstellung" 2006 in Hallein, betreffend die Kinder aus Salzburg.

Hans Kreuzeder, ehemaliger Direktor der Caritas, betraute Frau Nöbauer etwa zu diesem Zeitpunkt auch mit der Recherche für eine Dokumentation über das Caritas Dorf St. Anton in Bruck an der Glocknerstraße.

Im Laufe dieser, sah sich die Autorin mit der traurigen Geschichte zu Zeiten des Nationalsozialismus in St. Anton konfrontiert.

Der Titel lädt zu keinen gemütlichen Lesestunden ein, sondern lässt den Leser in die Abgründe der so genannten "Gesundheitspolitik" Hitlers sehen. Hunderttausende Menschen wurden Opfer von Zwangssterilisation und gezielter Tötung.
Auch die Bewohner/innen der Caritas-Anstalt St. Anton waren als "lebensunwürdige" (Geistes-und Gemütserkrankungen, körperliche Einschränkungen die zur Arbeitsunfähigkeit führten) Menschen von diesen Grausamkeiten betroffen.
Der Historiker Mag. Johannes Hofinger geleitete Frau Nöbauer mit seinem ergänzenden Wissen durch einen emotionalen Abend.

Durch akribisches Abgleichen unendlich vieler Namen, die anlässlich der Einweisungen bzw. Entlassungen oder Überstellungen der damaligen Patienten/innen gelistet waren, kamen sehr traurige, menschenunwürdige Geschehnisse in verschiedenen Institutionen zu Tage.
Die enge Zusammenarbeit mit der Dokumentationsstelle Hartheim in Oberösterreich ergab, dass ein Transport von neun Bewohnern/innen aus St. Anton nach Hartheim erfolgte. Vier von ihnen ermordete man in der Gaskammer der Tötungsanstalt Hartheim. Ingesamt gab es sechs solcher Tötungseinrichtungen. Wer mit dem Stigma der Erberkrankung behaftet und/oder nicht stark genug war, hatte sein Recht auf Leben verwirkt.
Dubiose Fragebögen der "Heil- und Fachanstalten" wurden mit Unterstützung von bis zu vierzig Gutachtern zum Todesurteil für die Insassen/innen.

Nachdem bis 1941 bereits über 70.000 Menschen - 500 davon aus Salzburg- ermordet wurden, regte sich der Protest der Bevölkerung gegen diese Methoden, vor allem weil es um Kinder und auch Angehörige ging. Daraufhin stellte Hitler die "Gesundheitspolitik" massenhygienischer Maßnahmen gegenüber Beeinträchtigten ein.
Jedoch ließen sich Ärzte mancher Einrichtungen nicht davon abhalten, den "schönen Tod" - Euthanasie, in Eigeninitiativen weiter zu praktizieren. Auch Zwangssterilisationen zur "Sicherung des Rassengutes" blieben Programm.



Mit der exemplarischen Darstellung des jetzigen Caritas Dorfes St. Anton zeichnet Christina Nöbauer ein erschreckendes Bild der NS-Verfolgungspolitik, das durch die Nachverfolgung von Einzelschicksalen umso deutlicher wird. Nur von einem Opfer konnten Hinterbliebene recherchiert werden.

Das Buch weicht chronologisch von der Historie ab, da es ausschließlich die Vorgänge in St. Anton beschreibt.

Dank der Autorin und ihres profunden Wissens, respektive auch durch ihren persönlichen Wunsch, ein Tabuthema ihrer eigenen Kindheit zu beleuchten, gelang ihr ein überaus sensibles Schriftwerk, das einen Teil der Vergangenheit nicht vergessen lässt.
 
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